Val Muragl // Alpine Glory – Engadiner Microabenteuer I.

Es ist bereits Mittag und ich sitze mit meinem Rucksack im Alps.
Letzte Nacht wurde es wieder einmal spät bis alles gereinigt war ging bereits die Sonne auf.

Zeit hat man nicht, Zeit nimmt man sich.

Bis ich an der Punt Muragl Talstation stehe ist es bereits nach 14 Uhr.
von hier aus kann man im Winter auf den Muottas Muragl mit der Zahnradbahn und dann dort  4-6km auf dem Schlitten in schnellen engen Serpentinen abfahren.
Bei der Erinnerung an den Zusammenprall mit den Leitplanken schmerzen mir noch immer die Gelenke..
Bei dem Blick auf die Preise für eine Bergfahrt, das Portmonait, also enschliesse ich mich zu laufen.
Mein Ziel für die Nacht ist der auf 2715m gelegene Lej Muragl, am oberen Ende des tiefen Muragl Tals zwischen Piz Muragl, Piz Vadret und Il Corn.

Ich habe es nicht eilig heute, mein Zelt habe ich ohnehin dabei und 1000moh sind nicht ohne. So mache ich einige Pausen, esse Schokolade und höre Musik während direkt unter mir die Ova Muragl töstend ins Tal rauscht.

Schokolade, Sonne, Berge und schweizer Kühe. Fast wie in der Milka Werbung.

Das Wetter im Engadin kennt nur zwei Seiten. Ausgesprochen gut und kurzzeitig scheußlich grau.
Innerhalb von Minuten kann ich beobachten wie sich über dem Corviglia Massiv etwas zusammenbraut und nehme die Beine in die Hand. Es geht bergauf und bergauf und bergauf.
Erinnerungen an den nördlich Kungseden vor Kkvikkjokk kommen hoch damals war das Gelände ähnlich und ich habe am Tag auch an die 1500mh überwunden bei praller Sonne . Gute Erinnerungen.
Neben mir zanken sich lautstark zwei putzige Murmeltiere.
Das Tal verengt sich, nach der lezten Anhöhe sehe ich den azublau schimmernden Lej Muragl, zu meiner Rechten schroff aufragend Las Sours und Gipfel der Muragl Kette. WOW.

Kaum habe ich mein Zelt aufgestellt, die kleine Flasche Jura single Malt ausgepackt beginnt es zu regnen und zu gewittern. Puh was für ein Timing !
Ich strecke mich aus und lausche wie der Regen aufs Zelt prasselt, sehr entspannend.
„Schlechtes Wetter“ macht mir nach dem vergangenen Jahr in Norwegen sehr wenig aus, es ist einfach da und ich akzeptiere es.

„Die einen spüren den Regen, die anderen werden einfach nur nass.“

Als der Regen nachlässt, setze ich mich vor mein Zelt und betrachte das Naturschauspiel; lichter Nebel liegt über dem See und um die Gipfel.
Nur der Wind, einige Murmeltiere, das Springen der Forellen und ein entfernter Greifvogel sind zu hören. Als ich später einen Spaziergang mache sehe ich zwei Steinmader herumtollen während die Sonne glühend hinter der Malojakette verschwindet. Wow.
Lange sitze ich noch da, sauge den Moment in mich auf.

Am erholsamste schlafe ich draussen. Auch dass liegt an meinem NPL 2017 mit über 70 Nächten im Zelt oder unter freiem Himmel. Da ist es auch ganz Gleich wie viele Stunden, ich wache erholter auf. Mein Wecker klingelt um 05.00 Uhr. Ich schnüre meine Stiefel, koche mir einen Kaffee auf meinem Mokka Pot, greife mir meine Kamera und beginne mit dem Aufstieg. Vom Fourcal Champagna Grat müsste man eine fantastische Aussicht nach Osten haben und die Sonne unmittelbar über den Gipfeln aufsteigen sehen.
über grobe Blockwerk steige ich nach oben und komme schnell ins schwitzen. Auf 2870m bietet sich mir ein atemberaubendes Panorama über das Val Champagna, Il Corn und Piz Uter.
Der Abstieg gestaltet sich schwieriger als gedacht, loses Gestein bringt mich ins rutschen. Unten setze ich mich grinsend vors Zelt trinke noch einen Kaffee und beobachte wie die Sonne den Schatten an der Flanke des Piz Muragl vertreibt.
Welch Schauspiel ist doch die Natur !

Heute steige ich obererhalb des Muragl Tals Richtung Mouttas Muragl Bergbahnstation ab. Eine andere Perspektive auf die gestrige Strecke begleitet durch das Pfeifen der Murmeltiere links und rechts des Trails. so früh ist noch niemand unterwegs, ich geniesse das gute Wetter und die Ausblicke bis ins vergletscherte Val Roseg, über Celerina, St Moritz, die vier Seen bis zum Maloja Pass.

25 Chf für die Bergbahn? Nananana, da lauf ich lieber die eine Stunde steil bergab bis zur Talstation.  Dort steht mir der Sinn nach einem kühlen Bad, also nehme ich die 3km bis zum herrlichen Staazer See durch den Wald in Angriff.
Mittlerweile ist es richtig heiss geworden also schüttel ich meine Stiefel ab und springe direkt ins kalte blaue Nass. Ahhhhhh!
Vom Stazer See laufe ich bis nach St. Moritz und geniesse dort die Leber Provenzialische Art in der Chesa Park, schaue den Wolken zu wie sie das Muragl Gebierge verdüstern und bin froh mit einem kühlen Bernina Bier im Tal zu sein.

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