60 dager på tur

Vor 60 Tagen habe ich meinen gesamten 18kg schweren Besitz auf meinen Rücken geschnürt und bin am Nordkapp losgelaufen.
Was passiert mit jemandem der eine so lange Strecke zu Fuß geht?
Kann er als gleicher Mensch zurückkehren?
Es ist in erster Linie sehr befreiend. Das Leben wird soviel unkomplizierter. Es dreht sich alles nur noch um die tägliche Strecke, das Essen & den Lagerplatz für die Nacht.
Monatliche Rechnungen, das Auto & die Arbeit fallen weg.
Ebenso wie täglich warme Duschen, Waschmaschinen & Essen welches nicht aus der Tüte kommt.
Hunger und Heimweh immer gegenwärtig, häufig immer die selben Dialoge mit anderen Wanderern, ein Komfortlevel welches rasant in den Keller fällt und Fremde die zu Gefährten werden.
Der Charakter & der Körper stärken sich mit jedem Schritt den man über die gesetzte Tagesetappe geht.
Und doch;
Was ändert sich?
Alles. Und nichts.

All dass ging mir vor einigen Tagen nachts durch den Kopf und liess mich nicht schlafen. In einer 6qm Schutzhütte liege ich mit einem österreichischen Pärchen das Kungsleden läuft, Pia die das Grönna Bandet macht und Jesper, welcher uns alle wie Amateure erscheinen lässt denn Jesper geht bis nach Sizilien.
In den 60 Tagen bin ich durch Schnee, Eis, Hagel, Mücken & Hitze gegangen.
Ich bin oft gefallen, manchmal einfach sitzen geblieben um dann doch aufzustehen und weiterzugehen.
An vielen Tagen hatte ich ernsthafte Zweifel und ziemlich wenig Spass, weil ich mich zu sehr unter Druck gesetzt habe. An anderen war ich schockiert wie schnell ich grosse Strecken bewältigen kann und musste grinsen.
Schiss hatte ich auch häufiger. Vor dem was mir da grad zwischen die Füsse springt (dicke Kröte) und vor dem was da grad mit Krach aus den Büschen bricht (Perlhuhn).
Allein war ich eigentlich nie. Es gab soweit keinen Tag an dem ich nicht zumindest mit einem Radfahrer ein "hallo" ausgetauscht hätte und allein gefühlt habe ich mich nur an meinem Geburtstag. Und selbst da hatte ich ja Company von 76889 Mücken.
Unterwegs bin ich mit sovielen einzigartigen Menschen gelaufen die mich inspiriert haben wie Anne, Frederik, Jesper, Phillip & Philipp und Pia. Soviel andere haben mit einem netten Wort oder einem kecken Spruch mir das Lächeln zurück gebracht.

Wenn ich an die vergangenen 60 Tage denke, fühle ich neben den 82682 Mückenstichen unendliche Dankbarkeit.

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