1.Nordkapp – Olderfjord // E69 statt E1

Die Geschehnisse der letzten Tage;
Ich bin um 4 Uhr aufgestanden um 7 losgeflogen in Kristiansand, in Olso umgestiegen & war dann um 14 Uhr in Alta.
Dort lernte ich einen Norweger kennen der seit 9 Jahren NPL in Etappen geht.
Dort war der Plan den 15.00 Bus nach Honningsvag zu nehmen den ich leider verpasst habe.

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Also bin ich zur Tourist Information gegangen und habe nach einer Alternative gefragt.
Marianne die dort arbeitet sagte mir der nächste wäre am folge Tag allerdings könnte mich ihre Familie nach Olderfjord mitnehmen. Top =)
Bis zur Abfahrt bestellte mir bei Peppe’s eine kleine Pizza und bekam eine grosse zum Preis von einer kleinen.
Marianna’s Mann schenkte mir dann noch ein gefrohrenes Rehherz (Eine Spezialität in der Finnmark) das er geräuchert hat.
1x ist Zufall, 2x sind Glück, 3x ein Lauf?
Auf der Fahrt erzählten mir die beiden viel über das Leben hier oben im Sommer& im Winter & klärten mich über das fischen auf.
Der Schnee ist grösstenteils geschmolzen. In Alta war bereits Frühling. In Olderfjord noch nicht ganz. Ich schickte Anne eine SMS mit der ich eine vage Verabredung hatte auf Magerøya. Sie war schon losgelaufen und ich würde sie vermutlich nicht einholen.
In Olderfjord verabschiedete ich mich von meiner Mitfahrgelegenheit & hielt eine halbe Stunde den Daumen raus bis mich ein Lehrer tatsächlich bis nach Honningsvag mitnahm. In Honningsvag dauerte es sogar noch kürzer & zwei völlig zugekiffte Norweger setzten mich am Kap ab.
Manchmal brauchst du einfach einen Haufen Glück.

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Am Kap war mir dann der ganze Trubel zu viel.
An manchen Tagen legen in Honningsvag Schiffe mit 6000 Passagieren an. & meistens mehr als eins.
Eigentlich hatte ich vor dort zu zelten & gemütlich in der Mitternachtssonne Champagner zu trinken. Da Sicht gleich null machte ich mich auf die ersten 6km Norge pa längs zu laufen. Von weitem erkannte ich an einem Wendekreises ein rotes Zelt & baute meins im Schnee so gut es ging ein Stück davon auf ich war einfach erschöpft. Die Nacht war wenig erholsam durch den starken Wind.

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Tussen takk Marianne, lykke til =)

Dag 2: am nächsten morgen weckte mich eine Stimme mit Berliner Akzent in schlechtem English und bot mir Kaffee & Einen Platz zum aufwärmen im Camper an. Die beiden waren super lieb und hatten auch an das andere Zelt „geklopft“ & kurze Zeit später stand Anne da. „How big is the chance?“ 🙂
Nach 2h und interessanten Gesprächen machten wir uns auf zu packen, wir hatten ja noch etwas vor uns.
Anne kam auf die gute Idee ihre pulka mit dem Bus nach Olderfjord zu schicken und ich erleichterte meinen Rucksack auch um einige Kilogramm. Wir würden ja ohnehin dort durch da kann dann auch mein halbes Futter auf mich warten.
Es war ein sehr windiger Tag auf Magerøya, Pause machen war keine Freude. Uns kamen ne Menge Jogger entgegen es war der Tag an dem der Lauf von Honningsvåg-Nordkapp stattfand. An der Abzweigung nach Skarsvåg hatten die Organisatoren einen Stand mit Getränken und kleinen Stärkungen aufgebaut.
Anne sprach kurz mit der Leitung und nach dem die Worte Norge på langs gefallen waren wurden wir herzlichst eingeladen uns zu bedienen. =)

Unser Plan war und die 10km über Honningsvåg zu sparen und über den Bergkamm auf dem verschneiten E1 zu gehen. Auf der Karte hatte ich dort einige Hütten entdeckt und wir hofften auf einen geschlossenen Raum für die Nacht.
Auf halber Strecke standen dann zwei Jungs vor uns. Mario & Johnny laufen den E1 bis nach Spanien. Da sie allerdings noch erst zum Kap wollten verabschieden wir uns bis die Tage und machten und auf weiter zu unserer Abzweigung.
Der Schnee war fast noch einen Meter tief und uns kam ein Sami auf einem Schneemobil entgegen.
Die Sami sind ein indogenes Volk das von der Rentierzucht lebt. Nur ihren ist es erlaubt Rene zu züchten. Sie sind die ureinwohner Skandinaviens und bewohnen heute überwiegend den äussersten Norden sowie das Grenzgebiet zu Schweden und Finnland.
Anne fragte ihn nach der Hütte und er lud uns ein eine Runde mit ihm auf der „Snowcat“ zu drehen. Irre cool !
Die Hütte war minimal leicht am Auseinanderfallen, der Boden hatte Löcher in denen sich das Wasser sammelte doch lieber die Hütte als der Schnee.
Im „Sommer“ hätte ich allerdings definitiv das Zelt gewählt.

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Dag 3
Am nächsten morgen machten wir uns auf die 10km bis zum Tunnel zu gehen. 3km über das Gelände und den Rest auf der Strasse.
Der Schnee war nicht besonders kompakt und da wir und an der Hangkante weit vom Fluss halten wollten war es nicht immer einfach tritt zu finden. Anne war schneller als ich unten und irgendwann hatte ich keine Lust mehr, setzte mich auf meinen Hosenboden und rutschte runter. Als die Sonne durchbrach trafen wir Johnny & Mario am Bach und machten gemeinsam Pause. Die beiden hatten heute noch vor auf dem Festland auf den Trail einzusteigen, wir wollten erstmal nur runter von der Insel.
Die beiden gingen vor und Anne & ich blieben noch eine Weile mit Tee in der Sonne liegen. An der Strasse stoppte Anne ein Auto und schickte unsere Rucksäcke mit dem Fahrer durch den Tunnel. Keine schlechte Sache bei 10% Steigung.
Also durchquerten wir in 90 Minuten den gesamten Tunnel, der die Nordkapp-Insel Magerøya mit dem Festland verbindet.
212m unter dem Meer hatte ich noch immer Netz und funkte bei meinem Kumpel Thomas durch.
Auf dem Festland dachte ich einen Moment unsere Rucksäcke seinen Weg doch der Fahrer hatte sie einfach nur richtig gut versteckt.
Wir bauten unsere Zelte auf und als ich in der Nacht den Tee rauslassen müsste entdeckte ich ein drittes Zelt neben unserem.

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Dag 4
Das Zelt war dass von den beiden Jungs, sie hatten versucht auf dem E1 einzusteigen, allerdings lag viel Zuviel Schnee und die Aufstiege waren nicht machbar weswegen sie nach einigen Stunden vernünftigerweise umkehrten.
Ich kam nicht in die Gänge (mein gängiges Problem am Morgen) & Anne lief schon mal voraus. Ziel des heutigen Tages war Repvåg Camping 31km entfernt. Noch nie in meinem Leben bin ich soweit gelaufen. Das wäre als würde ich von Basel aus zu meinem Kumpel Marc nach Müllheim laufen. Mit den Jungs war dass aber eine lustige Sache. Die beiden sind komplett vegan unterwegs & hatten zwei Wochen intensiv Planung betrieben bevor sie los sind. Ihr Speiseplan war beeindruckend. Die hatten sich wirklich Mühe gegeben alle möglichen Obstsorten zu dörren. Während die beiden da in der Mittagspause ihr echt gut riechendes Linsengericht kreierten (da bin ich echt neidisch geworden) füllte ich 350ml in mein BlåBand Gericht und schloss ihn wieder.
Für die nächste Tour mach ich mir definitiv auch die Mühe.
Die letzten Kilometer waren echt knackig doch die Aussicht auf Wärme duschen war einfach zu verlockend. In einer Pause kam dann eine SMS von Anne; der Campingplatz sei geschlossen. Wir liefen dennoch bis nach Repvåg und stellten unsere Zelte auf.

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Dag 5
Am Morgen war mein Hals total zugeschwollen.
Eine Woche vor Start hatte ich bereits eine Mandelentzündung mit Antibiotika behandelt, doch anscheinend war der ganze Trubel, die vielen Busfahrten, die Hochzeit meiner Schwester, die Abreise & die Fahrt nach Kristiansand Zuviel für meinen Körper und er konnte sich nicht richtig kurieren.
Ich trank solange Tee bis ich meine Stimme wieder hatte, baute mein Zelt ab und machte mich mit den Jungs auf den Weg.
45km bis Olderfjord..
Wir wollten 25km heute machen um morgen dann zeitig auf dem Campingplatz zu sein und dort evtl sogar einzukaufen.
Die ersten 15km waren unglaublich zäh. Alle waren wir müde von dem Marsch gestern, der Wind blies die ganze Zeit und die Sonne hatten wir seit einigen Tagen nicht gesehen. Immerhin hatten wir zumindest auch keinen Regen also kein Grund zu klagen.
Die Küstenstasse war langsam monoton geworden. Hier und da gab es dann mal einen Alder oder einen Wal zu sehen aber im allgemeinen nur eine Menge Campingwagen die im vorbeifahren Fotos von uns machten. Einer blieb stehen und fragte ob alles in Ordnung sei & ich fragte nach Kaffee worauf die uns tatsächlich einen Becher mit extrem stark gezuckertem schwarzem Glück brachten. Als wir erklärten warum wir hier so die Strasse entlang gehen drückten sie uns noch zum Abschied Kekse in die Hand.
In einer Pause erkundigte ich mich bei meinem Freund Hansjörg der im Süden seine ersten 300km hinter sich gebracht hatte, wie es so lief und bei den Worten Sonnenbrand und Hitze müsste ich etwas knirschen. Hier oben lag abgesehen von dem 300m Küstenstrich überall noch eine Schneedecke.
Als wir dann nach der Pause den ersten von drei Tunneln erreichten drückten wir das Tempo hoch. Alleine wäre ich an diesem Tag sicher nicht noch einmal so schnell gelaufen.
Auf der Karte entdecken wir die Silberschmiede von der Anne gesprochen hatte und so haben wir Nichteinhaltung Gas und drückten uns bis um 24 Uhr auf eine Etappe von 29km hoch.
An der Silberschmiede stand dann auch Annes rotes Zelt & unsere platzierten wir direkt daneben. Heute hatten wir die ersten 100km geknackt.

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Dag 6
Mein Hals war völlig zu. Ich bräuchte dringend einen Tag Ruhe und einen warmen Raum also waren die 17km bis zum Campingplatz in Olderfjord wo wir uns zu dritt eine Hütte gemietet hatten das einzige was dazwischen stand.
Allerdings brach auf halber Strecke die Sonne endlich durch und ich lief im Shirt bis an die Rezeption. Eventuell fiel ich da leicht auf mit verdreckter Hose&dem Duft von Versace „da solo“ zwischen all den Nordkapptouristen.
Die Hütte war mit 530 NOK ganz ok.
Nach dem duschen & einkaufen (dass mach ich nicht mehr ausgehungert in Skandinavien) fiel ich für 12h ins Bett.

Dag 7
Heute morgen ging es mir nicht besser.
Ich hatte Fieber bekommen und fühlte mich sehr schwach. Die Jungs brüteten über den Karten und beschlossen das ein Einstieg bei Olderfjord auf den E1 keine Option sei. Das bedeutet also Strasse bis Alta und dann weiter bis nach Kautokeino wo dann auch der Nordkalotten beginnt.
Die nächste Etappe wäre bis in den Ort Skaidi, der 24km entfernt liegt.
Das war heute für mich nicht drinne, da ich mindestens einen Ruhetag wenn nicht sogar zwei bräuchte also verabschiedeten wir uns und ich legte mich im Aufenthaltsraum des Campingplatzes auf die Couch.
Hier schreibe ich nun an diesem Artikel, sortiere Bilder aus, trinke Tee, esse was ich finden kann und sammele Informationen zu dem für mich ungeplanten Umweg nach Kautokeino.
Es nagt sehr an mir dass ich mindestens noch zwei Wochen auf der Strasse unterwegs sein werde bevor ich endlich in die Berge kann.

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2 Gedanken zu “1.Nordkapp – Olderfjord // E69 statt E1

  1. marius

    hab mir den artikel gerne durchgelesen 🙂

    was ich ja etwas krass fand, war die aktion mit dem rucksack und dem tunnel!?

    aber alles ist gut gelaufen. glückspilz!

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