122 Dager (4 mander) på tur 

Seit 4 Monaten bin ich nun jeden Tag draussen auf dem Weg nach Süden. Es ist 122 Tage her dass ich im Nebel an der Schranke zum Nordkapp vorbeigelaufen bin. (Der EINZIG wahre Grund 3000km zu gehen ist das Gesicht von dem Typ der dir nicht 35€ berechnen kann weil du zu Fuss und nicht mit dem Auto ans Kap gehst)

Vor zwei Monaten schrieb ich über Dankbarkeit, Ängste und gute Gefärten.

Vieles sehe ich noch immer Genauso. Einiges klarer. Hier einige wirre Gedanken.

Klarer sehe dass ich definitiv nicht der Mensch bin der alleine auf Tour gehen möchte. Ich kann dass nur ist es doch viel schöner solche Momente in guter Gesellschaft zu geniessen und zu teilen.

Vier Monate nachdem ich in Schnee und Eis am Kap los bin, bin ich noch immer kein Frühaufsteher. Das lag am Anfang vor allem an meinem letzten Job;

Jeden Tag von 11-15 Uhr & dann ab 18-24 Uhr. Dazwischen „Zimmerstunde“ also heim rennen, irgendeine Barillasauce aufwärmen, 30 Minuten pennen, zur Arbeit rennen. 5.5 Tage die Woche a 12h. Geil wa?

Dazu muss ich fairerweise sagen dass ich Anfang des Jahres sehr viel frei hatte, da der Februar für die ganze Branche ein Tief ist. Als ich dann gekündigt hatte dürfte ich neben meiner Regelarbeitszeit noch 93 Minusstunden während meiner Kündigsfrist „nacharbeiten“. Mach dass mal nach.

Also brauche ich jeden Morgen nachdem um 8 der Wecker klingelt, mindestens zwei Stunden um abmarschbereit zu sein. Als ich noch in einer Gruppe von 2-4 Leuten gereist bin war das anders. Jeder wollte als erster parat sein. Seit Meråker mache ich das gemütlich am Morgen mit 1-2 Tassen frischem Kaffee.
Nope ich bin nicht der Wandersmann der mit dem ersten Wolfslicht sich die Stiefel schnürrt. Eher der der aufbricht wenn der Jäger den Wolf abgeknallt hat.


Mir ist auch bewusst geworden wo meine Grenzen liegen und dass ich an mich selbst unheimlich hohe Erwartungen gestellt habe;

Am Anfang waren 18km ein Tag. Dann gingen nach drei Tagen sogar dreissig Kilometer. Dafür lag ich dann in Olderfjord im Fieber. Also waren 30 Zuviel. Vorerst. Mit Rick lief ich dann auf Stunden. Er vertrat die Auffassung 8h sind ein Arbeitstag (naaa nicht in meiner Branche..) von 10.00-18.00 danach ist Zeit für alles andere. In 8h waren mehr als 18km drinne und mein Körper kam nach einigen Tagen an seine Grenzen. Mitten im Reisadalen. Dann ging es darum von einer Hütte zur anderen zu kommen; der tägliche Kampf als Feuer. Kilometer waren egal. Auf dem Kungsleden ging es um Zeit; mit dem guten Wetter und der Mitternachtssonne könnte ich den ganzen Tag lang laufen und versuchte stehts in Annes Nähe zu bleiben, die auf die Hütten angewiesen war. Ab Kvikkjokk ging es darum Pia & Jesper einzuholen die zwei Tage Voraus waren.
Was sind dreissig Kilometer?? Alles relativierte sich nach und nach.
Doch alles über 4 skandinavischen Meilen (40 Kilometer) rächte es sich am nächsten Tag. Also lag hier meine Grenze. Das akzeptierte ich und hielt mich daran. Ruhetage dagegen lies ich sehr oft ausfallen. Zehn Tage waren schmerzhaft in den Knien doch dann waren 14 auch noch machbar. Ich prügelte die Distanzen an manchen Tagen nur so runter. An anderen stiess ich an meine psychischen Grenzen. Wenn es nicht wirklich lief, gab ich den Tag nach 15 Kilometern auch mal auf. Diese Tage bereute ich meistens hinterher obwohl es einfach unrealistisch war was ich mir an dem Tag vorgenommen hatte.

„Wer ist härter als du selber? – Niemand“ Cheryl Strayed.

Ich habe auch gemerkt wie viel ich vertrage. Mit wieviel schlechten Umständen ich umgehen kann; „Dass ist dann nun mal so“ brummen und weiter laufen. Auf dem Trail. Der ein Bach ist. Durch den Bach. Der ein Fluss ist. Ich hatte phasenweise über 38kg auf dem Rücken, bei einem Körpergewicht von unter 65kg (zuletzt gewogen vor Abreise). Ich gewöhnte mich daran. Auch an fehlende duschen, schlechte Ernährung & die Zeit allein. Ich nahm rasant ab, bis ich südlich von Trondheim war und es endlich wieder Milch Käse und Kuchen gab.
Im Roltdalen schubste mich der Wind für Stunden durch die Gegend und irgendwann lachte ich, verfiel in einen irren Jubel und genoss die Herausforderung. „IST DASS WIRKCH ALLES?! schrie ich gegen die Böhmen.


Heimweh. Der Wert meines Umfelds von dem ich jetzt so lange getrennt bin, gewinnt täglich an Wert. Wäre mein Vater nicht auf halber Strecke spontan nach Trondheim geflogen, hätte ich mich wohl in Flieger gesetzt und wäre eventuell erstmal daheim geblieben. Meine Familie war schon immer der Anker der alles im Gleichgewicht hält. Ich kann es auch kaum erwarten meine engsten Freunde wieder in den Arm zu nehmen und das eine oder andere Bierchen zu trinken.


Nach Finnland und dem Dividalen habe ich gemerkt dass ich viel zu leichtfertig Risiken eingehe. Da ist eine Schneebrücke. Ich sehe dass sich 2m vom Ufer bereits ein deutlicher Unterschied bemerkbar macht und dass es dort sehr tief runter geht. Der Fluss rauscht nur so. Und während ich mir überlege wie ich das ganze am besten umgehe, nehme ich Anlauf. Und während ich mich mit dem rechten Bein Abdrücke,noch ein Nannosekunde in der Luft hänge, denk ich mir noch „machste lieber nicht dass wäre dumm“ und schon krache ich am anderen Ufer auf das Eis, ramme meine Stöcke hinein und ziehe mich hoch. Eben diese Riskikobereitschaft hat mich davon abgehalten über die Kaskaden & Schneebrücken des Narvikfjells nach Sulitjelma zu gehen.

Bruch. Schliss. Spliss.
Das Versagen und der Verschleiss an Material war und ist auf dieser Tour enorm. Ich Ärger mich mittlerweile kaum noch darüber. Dass ist dann nun mal so. Eine Regenhose kann man mit  gen¨ügend garn und Panzertape flicken. Gebrochene, davon geschwommene Wanderstöcke lassen sich durch dicke Holzstecken ersetzen. Ein defektes Telefon ist eine Ablenkung weniger und eine Schärfung der Sinne. Doch dazu kommt irgendwann nochmal eine Auflistung.


Und am Ende steht genau wie vor 62 Tagen; Dankbarkeit. Was für ein Segen es ist eine solche Tour zu machen. Trotz all der Umstände und Planänderungen gesund so weit gekommen zu sein, dafür bin ich unheimlich dankbar. Ebenso für all die netten Worte und Mails; ich begreife erst jetzt wieviele Menschen ich mit meiner Reise erreicht habe. Ihr seid einfach nur scharf !

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